Wasserwirtschaftlicher Rahmenplan für das Tiroler Oberland – TT-Leserbrief

Leserbrief zum Artikel Koalition unter Strom, Streit um Ausbau der Wasserkraft vom 27.03.2014. 

Gott sei Dank gibt es noch Politiker welche sich an die Erklärungen zum Tiroler Kriterienkatalog für Wasserkraft und den darin enthaltenen Zielsetzungen erinnern und deshalb nicht sofort zu allen Wünschen der E- Wirtschaft Ja und Amen sagen!

In der Erklärung zum Tiroler KK für Wasserkraft ist zu lesen:

a) Der Tourismus ist einer der Leitwirtschaftszweige Tirols. Er hat in vielen alpinen Tälern eine lange Tradition, oftmals ist er die einzige wirtschaftliche Entwicklungsperspektive. …..

b) Das touristische Potenzial gründet sich in hohem Maße auf die Einmaligkeit und Schönheit von Natur und Landschaft. In besonderem Maße gilt dies für den Sommertourismus, der sich aktuell in einer Phase der Wiedererstarkung befindet. ……;

c)  Der Qualitätstourismus ist u.a. von einer hohen Authentizität des Angebotes abhängig und reagiert sensibel auf eine Beeinträchtigung der Naturraum- und Landschaftsqualität. …..

Unter Zielsetzung ist zu lesen:

a) Das Ziel des Kriterienkatalogs ist nicht nur ausschließlich die ökonomische, sondern auch die ökologische und soziale Situation zu beurteilen.

b) Objektivierung der Beurteilung von Gewässerstrecken und von Projekten auf ihre Eignung zur Nutzung der Wasserkraft soll unter Gewährleistung einer „gerechten“ Abwägung der technischen, ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Interessen sowie unter gleichmäßiger Berücksichtigung aller „Dimensionen“. Im Mittelpunkt steht die ausgewogene, transparente und sachliche Konsensfindung zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Interessensgruppen.

Diese Soloeinreichung des Rahmenplans vom Landeshauptmann Platter widerspricht jedoch den Erklärungen und Zielsetzungen des Kriterienkatalogs für Wasserkraft! Natürlich handelt er als oberster Chef der TIWAG   im Sinne des landeseigenen Betriebs, aber Landeseigentum ist auch unser aller Eigentum und mit der betroffenen Bevölkerung gibt es bisher noch keinen Konsens, wie auch mit den direkt oder indirekt betroffenen Betrieben in anderen Wirtschaftszweigen und hier ist in 1. Linie der Tourismus stark tangiert! Ich sehe diese Vorgangsweise als zu einseitig, weil damit öffentliches Interesse dokumentiert wird, ohne Rücksicht auf die betroffene regionale Wirtschaft und die Regionsbevölkerung!

Eine einseitige Behandlung des Kraftwerkausbauplanes der TIWAG, für den es keinen Regierungsbeschluss gibt, kann deshalb nicht im Interesse des Landes Tirol liegen. Oft wird mit dem Schlagwort „Nachhaltigkeit der Wasserkraftwerke“ argumentiert. Unter Nachhaltigkeit ist jedoch auch im Sinne des Tiroler KK für Wasserkraft zu verstehen:

Nachhaltigkeit heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.

Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also:
Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

Wasser wird nicht nur als Trinkwasser immer kostbarer und wird künftig eine enorme Rolle für den Sommertourismus in unseren Bergen spielen!

Angesichts der drohenden Kraftwerksketten im Tiroler Oberland (nicht nur die TIWAG, auch andere EVUs tragen dazu bei) und damit verbundenen Totalausbau aller wesentlichen Flüsse bzw. Bäche, sollten die jeweiligen Kraftwerke nicht in Salamitaktik einzeln behandelt und genehmigt werden, sondern sie sollten alle einer strategischen Umweltprüfung unterzogen werden! Das wäre im Sinne von öffentlichem Interesse und nicht wie die bisher gehandhabte Salamitaktik, welche hier nun wieder fortgesetzt werden soll!

Zum besseren Verständnis nur ein Beispiel:
Nach Realisierung aller Projekte im Oberland samt allen Aus- und Überleitungen von Seitenbächen wird sich der Inn auf eine Länge von ca. 70 km ab der Schweizer Grenze nur mehr verlocht (unter Tag in Stollen befindlich) präsentieren. Nur auf ca. 2,5 km (ca. 3,5%) in Summe wird der Inn noch Ober Tag in seiner vollen Größe zu sehen sein! Nämlich dort wo das abgearbeitete Innwasser aus dem E- Werk an das Tageslicht kommt um danach sofort wieder über Triebwasserstollen zu verschwinden. Eine Restwassermenge und damit ein ödes Flussbett wird das Tiroler Oberland nachhaltig zerstören!

Ich hoffe, dass BM Rupprechter nun entsprechende Taten folgen lässt, denn er bezeichnete sich erst kürzlich in einem TT- Artikel als Grüner der ersten Stunde. Mit einschlägigen Entscheidungen könnte er diese eigenen Worte auch glaubwürdig unterstreichen! Selbst auf die Gefahr hin dass LH Platter dann mit seinem Rahmenplan alleine dastehen dürfte. Das könnte bei ihm eventuell auch wieder einen Nachdenkprozess auslösen, indem er sich fragt ob es richtig, dass Tirol ein Land der Wasserkraft ist und deshalb keine anderen Alternativen entsprechend gewürdigt werden?

wpid-wp-1395783405455.jpegIng. Günter Kramarcsik
Perfuchsberg 57
6500 Landeck

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