Das Sannakraftwerk ist unwirtschaftlich – Prof. Alois Pircher

In einer Stellungnahme untersucht Wirtschaftsprüfer Univ. Prof. Mag. Dr. Alois Pircher die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerksprojekts auf der Sanna.  Das Gutachten in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und möglicher Renditen für die Gemeinden hat Mag. Karl Graber vom Hotel Sonne in Landeck in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd: Selbst unter sehr günstigen Voraussetzungen erwirtschaftet das Kraftwerk kaum genügend Cash-Flow, um eine Tilgung der Kredite zu schaffen. Ausschüttungen für die Gemeinden sind nicht zu erwarten.

Studie von Prof. Pircher zur Wirtschaftlichkeit des Sannakraftwerks

Die Studie geht von folgenden Daten aus:

Geplant ist eine jährliche Produktion von 83 GWh. Mögliche Maßnahmen wie eine technische Verbauung des Lattenbachs, ökologische Ausgleichsmaßnahmen oder höhere Restwassermengen sind dabei nicht berücksichtigt. Bei einem Verkaufspreis von aktuell 4 Cent/kWh ergibt dies einen jährlichen Erlös von 3,32 Mio. Euro. An laufenden Kosten werden wie vom Projektwerber angegeben 10% angesetzt, d.h. 332.000 Euro. Die Abschreibung (AfA) für Kraftwerke läuft auf 30 Jahre, was bei Baukosten von 90 Mio Euro eine AfA von jährlich 3 Mio. Euro bedeutet. Die Bankzinsen werden mit 1,5% angenommen, die Verzinsung an die Gesellschafter mit 4,5%. Aus diesen Angaben errechnet sich ein jährlicher Cash-Flow zur Tilgung von 837.450 Euro.

Univ.-Prof. Dr. Alois Pircher

Univ.Prof. Mag. Dr. Alois Pircher, Geschäftsführer der Treuhand Union Innsbruck, Steuerberater, Wirtschafts-prüfer, Leiter des Fachsenats für Steuer-recht in Tirol, Mitglied des Fachsenats für Steuerrecht, ehem. Vize-präsident der Kammer der Wirtschafts-treuhänder

Die Studie geht von für die Kraftwerksbetreiber günstigen Faktoren aus. Man kann allerdings nicht immer vom optimalen Fall ausgehen. Der Studienautor dazu:

Die Erlöse pro Kilowattstunde werden mit aktuell 4 Cent kalkuliert. Die Tendenz scheint aber eher in Richtung sinkender Strompreise zu gehen.

Weiters kann bei einem Zinssatz von 1,5% nicht davon ausgegangen werden, dass dieser über einen so langen Zeitraum konstant bleiben kann.

Die Behauptungen des Pianner Bürgermeisters Peter Rauchegger, dass nach 20 Jahren Betrieb zwischen 50.000 – 150.000 € je Gemeinde zur Ausschüttung gelangen, werden hier widerlegt.

Selbst bei laufender Bedienung der Zinsen ist fraglich, in welchem Ausmaß aus dem generierten Cash-Flow die Tilgung der Gesellschafter-Darlehen sowie der Fremdkapital-Darlehen erfüllt werden kann.

Der Studienautor rechnet in Folge zwei Szenarien durch, eines wie oben angegeben, ein weiteres mit Erlösen von 3,5 Cent/kWh und Bankzinsen von 2%.

Die Gesellschaft wäre erst nach 107,22 Jahren in der Lage die gesamten Kredite zu bedienen. In Variante 2 wäre die Tilgung erst in rund 602 Jahren möglich.

Die Break-Even-Analyse ergibt für die Gewinnschwelle einen nötigen Preis von 6,89 Cent pro Kilowattstunde.

Hier wäre es notwendig, dass am Markt ein Preis von 6,89 Cent pro Kilowattstunde erzielt werden kann. Im Vergleich zum aktuell erzielbaren Marktpreis wäre das eine Preisdifferenz von 70%, welche unmöglich durchgesetzt werden kann.

Die Conclusio der Studie des angesehenen Wirtschaftsprüfer fällt ziemlich vernichtend aus:

[…] Ergebnis, dass weder ein Break-Even-Punkt oder sogar eine Gewinnsituation erreicht werden können. Folglich wird auch eine versprochene Ausschüttung an die Gemeinden nicht möglich sein. […] Die Cash-Flows werden nicht einmal ausreichen um die Darlehen […] zurückbezahlen zu können. 

Autor: Christian Klingler

Advertisements

Eine Antwort zu “Das Sannakraftwerk ist unwirtschaftlich – Prof. Alois Pircher

  1. Am 22.6. war der Strompreis auf 1,82 Cent/kWh! Seither pendelt er schon längere Zeit um die 2 bis 3 Cent/kWh! Also weit weg von einem Preis mit 4 Ct./kWh, welcher im günstigen Fall von Dr. Pircher in seiner Studie angesetzt wurde. Wobei er vorgesetzt hat, dass das geplante RAV von 83 GWh auch machbar ist! Das ist allerdings noch höchst fraglich, denn wenn der Wildwassersport auf der Sanna nicht umgebracht werden soll, dann ist dieses RAV gar nicht erfüllbar!

    Um einen Gewinn von 300.000€/Jahr erzielen zu können, müsste lt. Dr. Pircher ein Handelspreis von 7,3 Ct./kWh erzielt werden! Das bedeutet zirka eine Verdreifachung des derzeitigen Handelspreises auf der Börse! Eine Preissteigerung in den nächsten Jahrzehnten um 300% dürfte sich wohl auch für die unverbesserlichsten Optimisten unter den Kraftwerksbetreibern als unrealistisch erweisen?

    Abgesehen davon, würden für die beteiligten 7 Gemeinden nach ein paar Jahrzehnte jährlich nur ein paar Euro mehr als 8.000€/Jahr als Gewinnbeteiligung heraus schauen und dafür wird bestehende Wirtschaftsstruktur und Sommertourismus, als auch die daraus resultierende Wertschöpfung vernichtet!

    Wenn eine Realisierung des KW Tatsache wird, dann hat die Unvernunft in der Lokalpolitik gesiegt und uns Wählern bleibt dann nur noch die rote Karte bei der nächsten Wahl zu zücken. Aber mit welchem Resultat, wenn alle Politiker sich dazu bekannten?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s