Wirtschafts-faktor Rafting im Tiroler Oberland – Studie präsentiert

Bei einem Pressetermin präsentierten die Vertreter des Tiroler Raftingverbands eine Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Raftings im Tiroler Oberland. Die Raftingunternehmer fürchten um ihre Existenzgrundlage, weil an den Flüssen in den Bezirken Landeck und Imst mehrere Kraftwerksprojekte umgesetzt werden sollen.

Bild
Ing. Günter Kramacsik, Dr. Alois Amprosi, Marcel Pachler, Hans Neuner (v.l.)

Die Daten der Studie belegen die hohe touristische Wertschöpfung des Raftings. Beim Pressetermin haben die anwesenden Unternehmensvertreter die Bedeutung der Outdoorunternehmen unterstrichen:

Ein ganzer Tourismuszweig ist bedroht. Wir werden oft unterschätzt. Aber wir bringen 198.000 Nächtigungen pro Saison, das sind allein 8 Millionen Euro Umsatz.

Dr. Alois Amprosi, Branchenvertreter bei der Wirtschaftskammer

Wir haben berechtigte Existenzangst – vor allem die Sorge, dass das, was wir in 35 Jahren aufgebaut haben, mit einem Schlag weg ist.

Hans Neuner

Eines ist ganz sicher: sollten diese geplanten Kraftwerksprojekte im Oberland umgesetzt werden, wird es diese Sportart „RAFTING“, wie sie derzeit und in den letzten drei Jahrzehnten praktiziert und gelebt wurde, „schlicht und einfach nicht mehr geben“… damit verbunden den Alleinstellungswert in Europa und damit die gesamte regionale Wertschöpfung.

Marcel Pachler, Obmann des Tiroler Raftingverbands

Ich gebe der TIWAG recht, einen normalen Bootsbetrieb kann man aufrecht erhalten, aber das hat mit Rafting nichts zu tun. Das kann man beim Skifahren mit einem Anfängerlift vergleichen. Ein Skigebiet könnte auch nicht ohne schwarze Piste, die Karrinne, die Familienpiste überleben.

nochmal Hansi Neuner

[Update 06.04.2014: Die Aussagen von Günter Kramacsik beim Pressetermin]

In Salamitaktik wird Schritt für Schritt nach den Projektabsichten der verschiedensten Elektroversorgungsunternehmen (EVU) ein Totalausbau aller wesentlichen Flüsse im Tiroler Oberland umgesetzt! Alle diese Projekte müssten einer strategischen Umweltprüfung unterzogen werden, um auch die Zusammenhänge besser zu verstehen und zu erfassen, statt dessen wird jedes Projekt einzeln behandelt.

Günter Kramcsik

Weiter meint Günter Kramarcsik:
Es kann nicht sein dass Wasser in einem großen Bogen und somit im Kreislauf von Tal zu Tal geschickt wird und jedem Wildbach bzw. Wildfluss das Wasser bis auf die Mindestmengen nach EU- Wasserrahmenrichtlinien entzogen wir. Das Mindestwasser nach den EU- Vorgaben ist für den Raftsport in jedem Fall viel zu wenig. Das beginnt im Ötztal mit der Ausleitung der Venter und der Gurgler Ache ins Kaunertal, von dort in das Platzertal und wieder zurück ins Kaunertal, dann nach Prutz wo auch das Innwasser des GKI ab der Staatsgrenze zur Schweiz dort ankommt, um nach knappen 5 km in der Runserau wieder mit einem 2. Venetstollen in die Imster Au ausgeleitet zu werden, dort mit dem Wasser von KW Prutz – Imst I + nun auch KW II in einem „Schwallausgleichbecken“ endet, um an dessen Ende sofort wieder über einen Stollen bis nach Haiming ausgeleitet zu werden!

Von knapp über 76,1 km Fließstrecke des Inns befinden sich nur noch knapp 5,5 km Ober Tag, der Rest ist Unter Tag praktisch verlocht!

Ein Zahlenbeispiel für Vergleichszwecke vom Inn in der Imster Schlucht:

  • Heute in der Früh um 8:30 Uhr hatte der Inn eine Durchflussmenge von 79,4 m³/s bei einem Wasserstand von 242 cm.
  • In den 5 Saisonmonaten hatte nach dem jüngsten hydrographischen Jahrbuch 2011 der Inn nachfolgende Abflüsse in der Imster Schlucht (Pegel Bahnhof Imst):
  • Vor der Saison 2011 im April 75 m³/s (= 219 cm) und heute hat er über 4 m³/s mehr Abfluss. Wenn ihr euch heute den Inn anschaut, bekommt ihr eine Vorstellung davon, bei welcher Wassermenge man noch nicht raften kann!
  • Geraftet wird in nachfolgenden Saisonmonate: 143 m³/s (Mai = 264 cm), 180 m³/s (Juni = 285 cm), 140 m³/s (Juli = 263cm) , 140 m³/s (August = 263 cm) und 114 m³/s (September = 246 cm).

Wenn man nun den höchsten Juniwasserstand mit 20% dynamischer Restwassermenge nach EU- Vorgabe errechnet, so ergäben sich 36 m³/s im Juni (statt 180 m³/s) an dynamischer Restwassermenge, das ist ca. die Hälfte dessen was im Durchschnitt im April an dieser Stelle fließt! Selbst dieser Abfluss ist noch immer um ca. 1/3 weniger als im Jänner derzeit fließt und niemand käme beim derzeitigen Wasserstand auf die Idee zu raften! Das niederste bzw. geringste Wasseraufkommen ist im Jänner mit ca. 54 m³/s im hydrographischen Jahrbuch aufscheinend! Dabei hat der Inn bei dieser Durchflussmenge einen Wasserstand von 200 cm. Mit diesen Vergleichswerten wird somit verständlich sein, warum wir der Meinung sind, dass wir künftig im Trockenen sitzen werden, weil uns das Wasser buchstäblich abgegraben wird.

Download:
Wirtschaftsfaktor-Rafting-Tirol-Studie-Tiroler-Raftingverband.pdf

Autor: Christian Klingler

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