„Einfach nur am Freitag und Samstag ein bisserl mehr Restwasser aufdrehen wird nicht funktionieren.“

DI Christian Klingler (Zams/Imst) zum geplanten Kraftwerk an der Sanna:

  • Das Sanna-Kraftwerk ist nicht wirtschaftlich, schon jetzt nicht. Wenn noch Kosten für die Verbauung des Lattenbachs dazukommen und für eine Kompromisslösung mit den Wassersportlern, werden die Zahlen noch schlechter.

  • Unser Sommertourismus braucht Alleinstellungsmerkmale wie die Sanna. Der Sommertourismus läuft in Landeck eh nicht besonders und dann würgen wir ihn noch ab.

  • Der Lattenbach ist technisch gar nicht beherrschbar, das sagt sogar die Universität für Bodenkultur.  Ich kenne den Bach, ich habe lange genug in Pians gewohnt.

  • Wir nehmen damit den Raftingfirmen ihre Lebensgrundlage. Damit wird mehr Wertschöpfung zerstört als durch das Kraftwerk gewonnen. Eine laue Restwasserstrecke ist für den Wassersport nicht attraktiv.

  • Wir zerstören unsere letzten frei fließenden Flusskilometer. GKI, Runserau, Rosanna, Trisanna, alles verbaut. Muss alles verbaut werden?

Zum Vergleich KW Rosanna und KW Sanna:

Das Kraftwerksprojekt an der Sanna schneidet schlechter als das Musterprojekt KW Stanzertal ab. Ich habe die beiden Kraftwerke der EW im Kartell und aktuell auf der Rosanna für gut gemacht gehalten. Jakob Klimmer hat gut mit den Gemeinden und der Bevölkerung kommuniziert. Das geplante Projekt auf der Sanna ist aber im Vergleich viel schlechter:

  • Das KW Stanzertal hat 52 Mio. Euro gekostet und produziert 52 Mio. kWh/Jahr.
  • Das KW Sanna kostet 94 Mio. Euro und produziert nur 83 Mio. kWh/Jahr (ohne Kompromiss).

Das geht sich wirtschaftlich nicht aus! – sagt auch der Wirtschaftsprüfer. Die Gemeinden werden keine Ausschüttungen bekommen, wie sie sich das erhoffen. Im Gegenteil, die haben ein hohes Risiko, dass sie noch Geld nachschießen müssen.

Zu einer Vereinbarkeit von Kraftwerk und Rafting, wie sie die Politik einfordert:

Eine Kompromisslösung mit den Wildwassersportlern ist aus meiner Sicht nicht möglich. Da machen es sich manche zu einfach.
Einfach nur am Freitagnachmittag und Samstagvormittag ein bisserl mehr Restwasser aufdrehen wird nicht funktionieren. Dann haben wir wieder den Schwallbetrieb, der naturschutzrechtlich gar nicht geht. Und zweitens kommt wegen einer lahmen Restwasserstrecke kein Tourist mehr hierher, der fährt dann woanders hin.

DI Christian KlinglerChristian Klingler sieht auch positive Aspekte:

Die Projektentwickler und PR-Verantwortlichen sind sehr kommunikativ, versuchen die Gemeinden einzubeziehen und informieren transparent. Auch die Gemeinden werden mit eingebunden, was die Akzeptanz erhöhen soll. Allerdings sehe ich momentan weder für die Sicherheit am Lattenbach noch für die Wildwassersportler akzeptable Lösungen.

Ich hoffe, dass man über die Bedenken der Gegner nicht einfach drüber fährt. In Landeck und Zams sind die Bürgermeister und Gemeinderäte da sehr offen und geschickt und reden mit beiden Seiten. Was in Pians läuft, finde ich sehr bedenklich, wenn mehr als 52% der Wahlberechtigten schon gegen das Projekt unterschrieben haben und der Bürgermeister dennoch einfach stur weiter macht.

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2 Antworten zu “„Einfach nur am Freitag und Samstag ein bisserl mehr Restwasser aufdrehen wird nicht funktionieren.“

  1. Möchte ergänzen, dass INFRA einen Vorschlag für einen möglichen Kompromiss im Jänner bis Ende März in Aussicht stellte. Dieser liegt bis heute nicht vor!

    Ursache? Vermutlich nicht machbar? Nun sucht man nach einem Sachverständigen, welcher uns den vermutlich sehr wackeligen Kompromiss verklickern sollte?

    Wenn man uns zumindest so viel Wasser belässt, dass ein Wildwasser- bzw. Raftsport noch möglich ist, dann reduziert sich das Triebwasservolumen von ca. 355 Mio. m³ pro Jahr (diese Triebwassermenge ist lt. INFRA zur Erzeugung von 82 – 83 GWh Strom notwendig) um ca.155 Mio. m³ Wasser pro Jahr (Reduktion ~ 44%)! Logische Schlussfolgerung ist, dass sich auch das RAV von 83 GWh auf mind. ca. 46 GWh reduziert und dies bei gleichbleibenden Investitionskosten von ca. 90 Mio. Euro!

    Die von den Kraftwerksbetreibern oft zitierte Kennzahl von 1,08 €/kWh (spezifische Investitionskosten) verschiebt sich dann von der zweitbesten Klasse „gut“ in die Klasse „ungenügend“ und damit in hoffnungslose Unwirtschaftlichkeit auch über ein Jahrhundert betrachtet! Die Reduktion des RAV um ca. 37 GWh auf ca. 46 GWh ergibt eine Kennzahl von mehr als 1,95 €/kWh! Damit ist der Schwellenwert von 1,85 €/kWh um fast 6% überschritten!

    Da wird eine freiwillige Einschränkung der Betriebszeiten für den Raftsport auch nichts mehr ändern, oder wesentliche Verbesserungen für das RAV des Kraftwerks bringen, denn abgesehen davon dass damit ein ökologisch nicht erwünschter Schwall- Sunkbetrieb entsteht würde nur ca. 10% mehr an Triebwasser im fraglichen Zeitraum zur Verfügung stehen! Das Ergebnis der Kennzahl würde sich dann nur dem Grenzwert von 1,85 €/kWh nähern, aber das KW trotzdem in der Klasse „ungenügend“ belassen!

    • Nun steht es fest. Der Kompromissvorschlag welcher für Ende März vorgesehen war, wird uns nun am 3. September präsentiert. Man darf gespannt sein, was uns da präsentiert wird. Wohl eine Lösung welche weder ökologisch noch ökonomisch machbar sein wird? Werde danach berichten, wie die Lösung ausgesehen hat.

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